11.09.2010

Aufhebung der Stadionverbote

von Coloniacs in Nachrichten


Endlich. Die Kurve wird endlich wieder ein Stück voller, endlich werden wieder Fahnen in den Blöcken geschwenkt, endlich sind unsere Freunde wieder im Stadion, endlich sind die Stadionverbote aufgehoben!
Die Zeit des Leidens ist für die weit über 100 FC-Fans, die seit einem halben Jahr die Spiele unserer Mannschaft nur noch vor den Toren verfolgen konnten, vorbei. Die letzten Stadionverbote, die im Zuge unseres Auswärtsspiels am 27.02.2010 in Leverkusen ausgesprochen wurden, sind aufgehoben.
Was war passiert? Ein Großteil der Kölner Fanszene reiste mit dem Schiff nach Leverkusen, die Masse teilte sich im Neuland-Park zwischen Rheinufer und BayArena in mehrere Teile. Ein Teil wählte die definitiv fragwürdige Route durch die Innenstadt zum Stadion und wurde dennoch zum Teil schon direkt hinter dem Neuland-Park von der Polizei festgehalten und eingekesselt. Ein weiterer Teil wurde einige hundert Meter weiter von der Polizei aufgegriffen und ebenfalls eingekesselt. Während ein Großteil der auf dem Schiff anwesenden Fans den direkten Weg Richtung Stadion wählte, wurden gegen die rund 140 Fans in den beiden Polizeikesseln im Nachhinein Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft eingeleitet.
Hauptvorwurf: Landfriedensbruch. Hinzu kam bei einem Kessel der Vorwurf des Eingreifens in den Schienenverkehr.

In Folge der Verfahren wurden von Bayer Leverkusen Stadionverbote gegen alle eingekesselten Fans ausgesprochen. Das Prozedere kennen wir inzwischen zur Genüge, die Kritik am Verfahren erhielt mal wieder neue Nahrung. Jeder Fan, der in einem der Kessel war, erhielt ein Stadionverbot. Die Überprüfung der Grundlage für ein Stadionverbot wurde entweder erst zu einem späteren Zeitpunkt oder überhaupt nicht vorgenommen.

Nicht zum ersten Mal in Zusammenhang mit Spielen zwischen Bayer und dem FC wurde kollektiv gegen alle eingekesselten Personen ein Stadionverbot ausgesprochen – erst mal einfach so. Dass sich die Fans nichts haben zu Schulden kommen lassen, bevor der Kessel entstand, scheint für eine präventive Maßnahme, die das Leben junger Menschen stark beschneidet, irrelevant zu sein.
Wie hat eine große Fanszene, die innerhalb von zwei Jahren zwei Mal von derselben äußerst fragwürdigen Arbeitsmethode von Vereinen, Polizei und Staatsanwaltschaft bestraft wird, zu reagieren?

Fakt war, dass wir uns schon zu Beginn der Überlegungen klar sein mussten, dass es ein schwerer Kampf wird, durchzuhalten und standhaft zu bleiben – egal, was wir machten. Am Ende entschieden sich die Ultrà-Gruppen dafür, auf die optische Unterstützung bei Spielen unserer Mannschaft zu verzichten, die Banner falschrum aufzuhängen und lediglich einige, für die Verhältnisse der Südkurve eher wenige Fahnen einzusetzen, die das Thema Stadionverbote beinhalteten. Diese Maßnahme sahen wir als unerlässlich an, um auf jenen Missstand hinzuweisen. Wir konnten es einfach nicht mit unserem Gewissen vereinbaren, in der Kurve eine »Party« zu feiern, während es unseren Freunden ungerechtfertigt verwehrt blieb das Stadion betreten zu dürfen. In diesem Zusammenhang verzichteten wir allerdings auf einen allgemeinen Aufruf an alle FC-Fans und überließen die Entscheidung der Solidarisierung jedem Fanclub selbst. Erfreulicherweise zogen viele Gruppen beim Protest mit. An dieser Stelle wollen wir uns für die Solidarität wie auch für die Standhaftigkeit ganz herzlich bedanken!

Auf optische Unterstützung zu verzichten, ist uns gewiss nicht leicht gefallen. Doch es war an der Zeit, in deutlicher Form darauf aufmerksam zu machen, dass Fehler der Vergangenheit bewusst wiederholt wurden. Stadionverbote wurden auf totalen Verdacht ausgesprochen, vielleicht schon wohlwissend, dass es keine realistischen Vorwürfe gegen die Fans geben konnte. Der präventive Riegel wurde dennoch vorgeschoben, nach über fünf Monaten sahen die Verantwortlichen erst ein, dass es keinen Grund für die Stadionverbote gab.

Die Verfahren wurden still und leise seitens der Staatsanwaltschaft nach §170 Abs. 2 StPO eingestellt. Daraus folgte, dass Bayer Leverkusen gezwungen war, die Stadionverbote aufzuheben. Auch dies geschah still und im Hintergrund. Eine Entschuldigung für die Wiederholung herber Fehler wird wohl ausbleiben. Zurück bleiben viele verpasste Spiele unserer Mannschaft. Spiele, bei denen auf optische Unterstützung verzichtet wurde, weil die kollektive Bestrafung von teils minderjährigen und weiblichen Fans Vorrang vor einer ordentlichen Aufarbeitung der (nicht vorhandenen) Vorfälle hatte.
Dass es überhaupt so »schnell« zur Aufhebung der Stadionverbote kam, haben wir einer ordentlichen internen Organisation der Fans in Kooperation mit dem Fanbeauftragten des 1. FC Köln, Rainer Mendel, zu verdanken! Ohne Diese wäre der Stadionverbotsbeauftragte von Bayer Leverkusen, Ralf Ziewer, wahrscheinlich völlig überfordert gewesen.

Dass am Ende des Prozesses seitens Staatsanwaltschaft und Bayer endgültig unprofessionell gearbeitet wurde, widert an. Die Fans erhielten keine schriftliche Benachrichtigung über die Einstellung der Verfahren, stattdessen mussten sie sich auf die Kommunikation zwischen Staatsanwalt und Ralf Ziewer verlassen, der kein großes Interesse an der Aufhebung der Stadionverbote zeigte. Beiden Seiten war anzumerken, dass die Fans mehr und mehr nervten. So wurden sie von Person zu Person geschickt, keiner wusste, wie der Stand der Dinge ist, bevor man eher zufällig erfuhr, dass die Verfahren schon länger eingestellt waren. Somit war der Stadionverbotsbeauftragte von Leverkusen endgültig in Zugzwang und konnte sich in der vergangenen Woche endlich dazu aufraffen, die letzten Stadionverbote – die ersten wurden bereits in der Sommerpause aufgehoben –, ad acta zu legen.

Jetzt kann die Kölner Fanszene also wieder langsam zur Normalität zurückkehren. Der Fahnen-Verzicht brachte uns gewiss nicht nur Sympathien ein. Mit der Zeit wurden viele FC-Fans unruhig aufgrund der Eintönigkeit der wenigen Fahnen (Stadionverbots-Bezug), und auch der Verein wollte uns zum Verzicht auf den Verzicht drängen. Wir blieben uns jedoch selbst treu und versuchten, der Kritik durch die Schilderung der Ereignisse und Abläufe zu begegnen. Der Protest hat sich zu keinem Zeitpunkt gegen die Mannschaft oder den eigenen Verein gerichtet, sondern war zum einen ein Zeichen nach außen, um auf die Vorfälle aufmerksam zu machen und zum anderen ein Zeichen nach innen an die betroffenen Fans und Freunde.

Wir sind selber am erleichtertsten, dass wir wieder Fahnen einsetzen können. Daher freuen wir uns die Südkurve zum Heimspiel gegen den FC St. Pauli endlich wieder in einem Fahnenmeer erstrahlen zu lassen und rufen auch alle solidarisierten Gruppen dazu auf, wieder ihre Fahnen zu benutzen und die Zaunbanner richtig rum aufzuhängen.

Wir hoffen inständig, dass dermaßen kollektive, unverständliche, überzogene und fassungslose Sanktionen, wie sie sich wieder zugetragen haben, endlich eingestellt werden und die Beteiligten, also Polizei (Polizeigewalt, fragwürdiges Verhalten der Polizisten gegenüber eingekesselten Fans), Staatsanwaltschaft (kollektive Anzeigen- und Verfahrensflut) und Vereine (Stadionverbote auf Verdacht und ohne Aufarbeitung der Vorfälle, Verlass auf die Arbeit der Polizei), ihre Fehler einsehen. Das Schlimme ist, dass dies bisher nicht geschehen ist.

Sicherlich müssen auch wir Fans immer wieder unser Verhalten hinterfragen. Der Unterschied ist, dass wir dies oft genug öffentlich machen, uns entschuldigen und durch die Demo in Berlin (s. Artikel zur Fan-Demo »Zum Erhalt der Fankultur«) sogar in großem Rahmen zur Hinterfragung des eigenen Verhaltens aufrufen.

Mit der guten Nachricht, dass unsere Freunde wieder ins Stadion dürfen, hoffen wir auf eine unvergessliche Stimmung und einen Heimsieg gegen St. Pauli!

Coloniacs
Wilde Horde Köln 1996
Boyz Köln 2001
Veedels Radau
ABSCHAUM Köln 1999
Rote Elite Domstadt
Domstadt Syndikat
Cologne Power East Belgium
Kölsch Bajaasch
RE7 Crew
Köln-Süd
Fantastica Colonia
Wahner Jungs
Kolonie Süd
Sektion Remscheid
Brigade Red Cologne
Tohuwabohu Köln
Troika Köln
Mutierte Geißböcke
Meerbusch
Pleeser Geißböcke