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	<title>Coloniacs - Ultrà 1. Fußballclub Köln &#187; Kallendresser #02</title>
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		<title>Kallendresser #02</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 15:49:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Coloniacs</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kallendresser]]></category>
		<category><![CDATA[Kallendresser #02]]></category>

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		<description><![CDATA[Themenschwerpunkte der zweiten Ausgabe: * Wie wir die Coloniacs wurden * Diskussionsrunde zum Thema Gewalt * Interviews mit: der Sektion Westpolen aus Berlin, einer Diplomandin, der Kölner Graffiti-Crew Beach Boys, den Chosen Few Hamburg, einem CNS-Mitglied * Hoppingberichte aus Italien und Frankreich * Ultras und Dietmar Hopp, Ultras und der Sicherheitswahn * Wer war dieser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Themenschwerpunkte der zweiten Ausgabe:</strong></p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.coloniacs.com/?cat=10"><img class="alignleft size-full wp-image-249" title="Kallendresser #02" src="http://www.coloniacs.com/cnsprss/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/kd2.jpg" alt="Kallendresser #02" width="150" height="213" /></a>* Wie wir die Coloniacs wurden<br />
* Diskussionsrunde zum Thema Gewalt<br />
* Interviews mit: der Sektion Westpolen aus Berlin, einer Diplomandin, der Kölner Graffiti-Crew Beach Boys, den Chosen Few Hamburg, einem CNS-Mitglied<br />
* Hoppingberichte aus Italien und Frankreich<br />
* Ultras und Dietmar Hopp, Ultras und der Sicherheitswahn<br />
* Wer war dieser Albert Richter?<br />
* Zwei Hinrundenrückblicke aus unterschiedlichen Perspektiven</p>
<p style="text-align: left;"><strong><br />
Info: </strong>Das Heft ist inzwischen leider ausverkauft.</p>
<p><a href="http://www.coloniacs.com/cnsprss/wordpress/?cat=10" target="_self">Ausgewählte Artikel aus Kallendresser #02 ansehen </a></p>
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		<title>Der vergessene Weltmeister</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 23:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Coloniacs</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kallendresser #02]]></category>

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		<description><![CDATA[Heimspiel für Heimspiel trifft sich die Kölner Szene »am Raum«, um sich auf das kommende Spiel einzustimmen. Dass dieser Raum am Radstadion ist, weiß jeder. Aber dass dieses Stadion Albert-Richter-Radstadion heißt, wissen wohl die wenigsten. Wer war dieser Albert Richter? Albert Richter, der »vergessene Weltmeister«, wurde am 14.10.1912 in Köln-Ehrenfeld geboren. Er machte eine Ausbildung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.coloniacs.com/?p=257"><img class="alignnone size-full wp-image-258" style="margin-top: 5px; margin-bottom: 5px;" title="Albert Richter" src="http://www.coloniacs.com/cnsprss/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/richter.jpg" alt="Albert Richter" width="450" height="179" /></a><br />
Heimspiel für Heimspiel trifft sich die Kölner Szene »am Raum«, um sich auf das kommende Spiel einzustimmen. Dass dieser Raum am Radstadion ist, weiß jeder. Aber dass dieses Stadion Albert-Richter-Radstadion heißt, wissen wohl die wenigsten. Wer war dieser Albert Richter?</p>
<p>Albert Richter, der »vergessene Weltmeister«, wurde am 14.10.1912 in Köln-Ehrenfeld geboren. Er machte eine Ausbildung zum Gipsmodelleur, dem Beruf seines Vaters. Sein eigentliches Ziel war jedoch das Radfahren. Gegen den Willen seines Vaters begann er heimlich zu trainieren und fuhr bereits mit 16 Jahren seine ersten Rennen. Erst als er sich bei einem Sturz das Schlüsselbein brach, wurde sein Vater über das sportliche Doppelleben seines Sohnes informiert. Doch Albert Richter war eine starke Persönlichkeit. Er konnte sich nicht nur auf der Bahn, sondern auch gegen seinen Vater durchsetzen.<span id="more-257"></span></p>
<p>Richter galt mit 19 Jahren als der beste Amateurfahrer des Rheinlands und wurde von der Presse entsprechend umjubelt. Im Juli 1932 gewann er den »Grand Prix de Paris«, und im darauffolgenden September wurde er Weltmeister im Sprint. Ein Erfolg, den ganz Köln euphorisch feierte. Um der Arbeitslosigkeit zu entkommen, wechselte Richter im folgenden Jahr zu den Profis. Seine Erfolgssträhne hielt auch im bezahlten Radsport an: Er wurde siebenmal Deutscher Meister und zweimal Vizeweltmeister. Ist seine Geschichte bis dato eine, wie sie oft geschrieben und vergessen wird, zeigt ein Blick auf Richters menschliche Seite den Unterschied zum 08/15-Sportler auf. Als blonder, blauäugiger Siegertyp passte Richter perfekt in die Propaganda des aufkommenden Nationalsozialismus. Er wollte sich jedoch den Faschisten unter keinen Umständen anschließen und machte dies auch deutlich: Er ließ es nicht zu, dass sein Trikot durch das Hakenkreuz »verunstaltet« wurde und trug weiterhin den Reichsadler auf der Brust.</p>
<p>Zudem verweigerte er bei Siegerehrungen und offiziellen Veranstaltungen stets den Hitler-Gruß, was zum Eklat bei der WM 1934 führte. Nur aufgrund seiner Erfolge wurde Richter weiterhin von den Nationalsozialisten geduldet. Allerdings stand er unter strenger Beobachtung, unter anderem, weil er sich trotz Drängens der Gestapo weigerte, seinen jüdischen Manager Ernst Berliner zu verlassen.</p>
<p>Nach Abbruch der WM 1939 – Deutschland war kurz vor dem Finale in Polen einmarschiert, der zweite Weltkrieg hatte begonnen – wurde Richter von der Gestapo verhört. Der Staat versuchte, ihn mit seinem verbotenen Umgang mit seinem Manager zu erpressen. Berliner war zwischenzeitlich in die Niederlande geflohen, doch Richter hielt weiterhin zu ihm. Des Weiteren lehnte er die Bespitzelung anderer Sportler ab.</p>
<p>Aus Angst vor weiteren Repressionen packte Albert Richter an Silvester 1939 sein Hab und Gut und wollte in die Schweiz ausreisen. In die Reifen seines Rades hatte er 12.700 Reichsmark eingenäht, um sie einem in der Schweiz lebenden Kölner Juden – Alfred Schweizer – zu überbringen. Diese Methode hatte all die Jahre zuvor funktioniert. Richter konnte auf diese Weise bei seinen Rennen quer durch Europa manchen jüdischen Besitz retten. Anders jedoch auf dieser Reise. Richter war anscheinend von deutschen Kollegen an die Gestapo verraten worden. An der Grenze wurde sein gesamtes Gepäck durchsucht und das Geld gefunden. Wegen Devisenschmuggels wurde Richter festgenommen und in das Gerichtsgefängnis von Lörrach gebracht.</p>
<p>Am 3. Januar 1940 wollte sein Bruder Joseph ihn im Gefängnis besuchen, fand jedoch eine leere Zelle vor. Ihm wurde mitgeteilt, Albert Richter habe sich aus Scham über seine Tat in der Nacht in seiner Zelle erhängt. In Anbetracht des blutverschmierten Leichnams im Totenkeller des Gefängnisses und seiner blutdurchtränkten, löchrigen Kleidung eine zweifelhafte Todesursache. Die gleichgeschaltete deutsche Presse schrieb am folgenden Tag vom »Tod nach einem Skiunfall«. Nachdem zwei niederländische Radfahrer, die Augenzeugen der Verhaftung waren, von dieser berichteten, wurde die Todesursache kurzerhand in Tod durch »Erschießen auf der Flucht« geändert.</p>
<p>Erst 1996 wurde Richters Grab auf dem Kölner Melatenfriedhof zu einem städtischen Ehrengrab ernannt und die neue Radrennbahn im Sportpark Müngersdorf nach dem Sohn der Stadt benannt. Vorausgegangen war der Anerkennung seines Wirkens eine Dokumentation des NDR in den Achtzigerjahren, in der zwei Journalisten sich auf die Suche nach Spuren von Richters Schicksal begaben. In der DDR-Propaganda war Richter bereits in den Sechzigerjahren als in der NS-Diktatur umgekommener Sportler in Form von Sonderbriefmarken und als Namensgeber zweier Sportanlagen in Schwerin und Halle gewürdigt worden. Im Mai 2008 wurde Albert Richter neben 43 anderen verdienten Sportlern in die Hall of Fame des deutschen Sports der Stiftung Deutsche Sporthilfe aufgenommen.</p>
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		<title>Weapons of Mass Destruction</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 23:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Coloniacs</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kallendresser #02]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Klima der Angst erfüllt die Bundesrepublik. Polizei und Presse warnen vor einer Bedrohung durch gewalttätige Fußballfans. Ist es wirklich so schlimm geworden? Privat, wie beruflich bin ich außerhalb des Fußballs viel in Nordrhein-Westfalen und im Rest des Landes unterwegs – oft auch in Städten, die aus der Sicht eines FC-Ultras als Feindesland gelten. Natürlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.coloniacs.com/?p=252"><img class="alignnone size-full wp-image-253" style="margin-top: 5px; margin-bottom: 5px;" title="Weapons of Mass Destruction" src="http://www.coloniacs.com/cnsprss/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/weapon-of-mass-destruction.jpg" alt="Weapons of Mass Destruction" width="450" height="179" /></a><br />
Ein Klima der Angst erfüllt die Bundesrepublik. Polizei und Presse warnen vor einer Bedrohung durch gewalttätige Fußballfans. Ist es wirklich so schlimm geworden?</p>
<p>Privat, wie beruflich bin ich außerhalb des Fußballs viel in Nordrhein-Westfalen und im Rest des Landes unterwegs – oft auch in Städten, die aus der Sicht eines FC-Ultras als Feindesland gelten. Natürlich hab ich, wenn ich den Boden einer Stadt wie Düsseldorf, Frankfurt oder Dortmund betrete, den Fußball und die Rivalität zur Fortuna, zur Eintracht und zum BVB im Hinterkopf, doch wirklich unwohl oder gar gefährdet fühle ich mich bei weitem nicht, schließlich würde ich mich hüten, meine Szenezugehörigkeit in diesen Städten offen zur Schau zu stellen.<span id="more-252"></span></p>
<p>Meine Gedanken bei der Abfahrt am Kölner Hauptbahnhof beziehungsweise bei der Ankunft in der jeweiligen Stadt drehen sich meist um etwas anderes: Meine Bewegungsfreiheit. Dieses Gefühl ist bei mir an den Bahnhöfen dieses Landes am ausgeprägtesten. Komme ich am Wochenende mit meinen Freunden als Fußballfan in den Städten an, werde ich behandelt wie ein Krimineller, wenn nicht sogar wie ein Staatsfeind. Ich habe dann nicht die Möglichkeit, mir kurz ein Brötchen zu kaufen, nicht die Möglichkeit, mal kurz pissen zu gehen, nicht die Möglichkeit, mir kurz mal die Stadt anzusehen. Am Wochenende werde ich behandelt, als ob ich unmündig und unfähig wäre, selbst meine Wege zu bestimmen. Oft genug komme ich mir vor, wie ein Rind auf dem Weg zum Schlachter – eng eingepfercht mit Meinesgleichen, gleich gemacht mit Fans jeder Couleur, umzingelt von vermummten, aggressiven und bewaffneten Staatsdienern. Manchmal ertappe ich mich aber auch dabei, dass ich dies doch ein wenig heimlich genieße. Ich bin wahrlich kein gefährlicher Mensch, aber die Aufmerksamkeit, die meine Mitfans und ich bekommen, lässt uns so gefährlich und bedrohlich erscheinen, dass man es auf einmal selbst glaubt. Manchmal denke ich, dass sich bei vielen meiner Mitfans dieser Glaube zu sehr verfestigt hat. Bei mir nimmt das mit fortschreitendem Alter immer mehr ab.</p>
<p>Irgendwie mag ich auch die entsetzten Blicke der Passanten in der Stadt, in der mein FC später spielen wird, wenn sie den Kölner Pöbel erblicken – von den lallenden Suffkutten Mitte 40, den Studenten und den Werktätigen, den Familienvätern und den Verwirrten, über die Hools bis hin zum finster dreinblickenden, 14-jährigen Möchtegern-Ultrà. Alles umzingelt von einem martialischen Polizeiaufgebot – Sturmhaubengesichter mit Schlagstock im Anschlag vom Blaulicht in ein Katastrophenszenario verwandelt. Unter den Sturmhauben oft Milchbubengesichter um die 20-25, meist jünger als ich.</p>
<p>Wenn ich nun bei anderer Gelegenheit die Orte meines wochenendlichen Treibens aufsuche, ist es dort anders. Keine Bullenketten, kein Pöbel, keine ängstlichen Passanten und kein Suff. Alles normal, ruhig und harmlos – teilweise schön, teilweise hässlich. Die Frage, die ich mir dann immer stelle: »Ist das wirklich nötig, was wir am Wochenende über uns ergehen lassen? Ist es wirklich so schlimm geworden?«</p>
<p><strong>Konni hat sicher die Antwort</strong></p>
<p>Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), würde mir meine Frage mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem klaren »Ja« beantworten, schließlich ist der werte Herr zum Sprachrohr irrwitziger Forderungen geworden. Als wirklichen Gewerkschaftsvorsitzenden kann man Herrn Freiberg nicht unbedingt bezeichnen – schließlich handelt es sich bei der GdP eher um eine Interessensvertretung, die lobbygleich versucht, Einfluss auf politische Entscheidungen und gesellschaftliche Strömungen zu nehmen. Polizisten, die sich arbeitsrechtlich vertreten lassen wollen, sind zum Beispiel in der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Deutschen Beamtenbund vielleicht besser aufgehoben. Selbstverständlich setzt sich auch die GdP für ihre Mitglieder ein, schließlich schafft ein gesellschaftliches Klima der Angst auch Arbeitsplätze im Bereich der Exekutive. Klima der Angst? Aber was hat das alles noch mit Fußball und Fußballfans zu tun? Nichts! Oder?</p>
<p><strong>Droht ein Luftangriff auf Mönchengladbach?</strong></p>
<p>Koblenz hat die Bombe. Nicht irgendeine, nein, die Atombombe. Die Jungs und Mädels vom Inferno Koblenz hatten es nach eigener Aufkleberaussage doch tatsächlich geschafft, was Kim Jong-il in Nordkorea im Jahr 2006 geschafft hat, Mahmud Ahmadinedschad im Iran versucht, und Saddam Hussein im Irak ebenfalls versucht hat. Oder hat er nicht? Noch heute sehe ich den damaligen US-Außenminister Colin Powell am 5. Februar 2003 im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen vor den vermeitlichen Beweisfotos für das irakische Atomwaffenprogramm.</p>
<p>Nach über sechs Jahre wissen wir ein wenig mehr. Das Atomwaffenprogramm und Massenvernichtungswaffen, die zum Kriegsgrund für den Irakkrieg wurden, existierten nun doch nicht. Der Krieg fand trotzdem statt. Ein paar Iraker (zwischen 940 000 und 1,2 Millionen) und ein paar Amerikaner (über 4 000) starben seit dem März 2003 im Irak. Nicht schlecht, für einen Krieg, der keiner hätte sein müssen. Doch es gab für den Krieg wohl auch andere Gründe, als nur die Bekämpfung eines Despoten mit Massenvernichtungswaffen. Nicht unwahrscheinlich, dass es wirtschaftliche Gründe waren. Aber was hat das alles noch mit Fußball und Fußballfans zu tun? Nichts! Oder?</p>
<p>Vor dem Derby gegen den VfL in Mönchengladbach erlebten wir das stärkste Polizeiaufgebot seit Jahren. Zwei Wasserwerfer, ein flächendeckendes Alkoholverbot, 131 Stadtverbote auch für Kölner Nicht-Stadionverbotler, knapp 2 000 Beamte sowie zwei Hubschrauber sollten für Sicherheit beim rheinischen Derby sorgen. Die Schreckensbilanz von 18 »schwer« demolierten Bussen des Vorjahres hatten dieses Sicherheitsaufgebot wohl nötig gemacht. Sogar der Luftraum musste gesperrt werden, um Angriffe aus der Luft zu verhindern, wie die »Rheinische Post« unter Berufung auf die Polizei mitteilte.</p>
<p><strong>Back to reality</strong></p>
<p>Drohten wirklich Angriffe aus der Luft? Entschuldigung, wenn ich mal so naiv nachfrage. Ticken die Leute, die so etwas behaupten und dazu noch tatsächlich niederschreiben, noch richtig? Glauben diese Menschen allen Ernstes, dass Fans Fans aus der Luft angreifen würden. Womit? Mit in Ramstein gekaperten F-14-Bombern mit Atomsprengköpfen oder doch schon mit dem neuen Lockheed Martin F-35-Tarnkappenbomber?</p>
<p>Natürlich würde es bei einem Derby zwischen Mönchengladbach und dem FC zu vereinzelten Übergriffen kommen, wäre die Polizei nicht anwesend. Dies zu verneinen, wäre naiv und verlogen. Trotzdem müssen sich Polizei und Politik die Frage gefallen lassen, ob dieser Einsatz im goldenen Oktober nicht doch ein wenig übertrieben war – und vor allem kostspielig. Die Summe von über 1 000 000 Euro Einsatzkosten machte die Runde. Diesen Kosten steht lediglich die Summe von 18 demolierten Bussen im Vorjahr gegenüber, welche bei weitem nicht »schwer« demoliert waren. Menschen wurden beim letzten Derby keine »schwer« verletzt oder gar getötet.</p>
<p><strong>Die Kultur der Angst</strong></p>
<p>Der amerikanische Soziologe Barry Glassner (»culture of fear«) und Filmemacher Michael Moore beschäftigen sich seit den verheerenden Anschlägen des 11. Septembers 2001 in den Vereinigten Staaten mit einem künstlich geschaffenen Klima der Angst – einem Bedrohungsszenario für Jedermann. »Angst wird seit Jahrtausenden so verwendet. Faschismus floriert, wenn die Leute Angst haben. Wenn die Machthaber in Ländern, die einen Rechtsrutsch herbeiführen wollen, den Leuten weismachen können, dass es wirkliche Gründe gibt, Angst zu haben, so dass sie der Regierung mehr Geld für Polizei geben sollen, mehr Geld fürs Militär, mehr Geld, um härter gegen Einwanderer vorzugehen, dann bekommen sie das auch von den Leuten«, sagte Michael Moore anlässlich der Verleihung des Jubiläumspreises der 55. Filmfestspiele von Cannes für die Dokumentation »Bowling for Columbine« über den Amoklauf von Littleton im Jahr 1999 gegenüber dem Schweizer Fernsehen.</p>
<p>Glassner und Moore ziehen eine düstere Bilanz für die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Frage, die sich knappe sieben Jahre später stellt: Sind wir in Europa und in Deutschland auf einem ähnlichen Weg? Haben die Menschen, die noch vor wenigen Jahren die Amis belächelnd im Kino saßen, nun auch Angst? Haben uns Schweine- und Vogelgrippe, Terrordrohungen, Schweinepest, Rinderwahn, soziale Gefälle, Krankheiten, Umweltkatastrophen, randalierende Links- und Rechtsextreme und eben »sogenannte Fußballfans« in einen vermeidbaren Sicherheitswahn getrieben? Neigen wir aus Furcht dazu, uns selbst kaputt zu regulieren?</p>
<p>Ich persönlich neige dazu, die Frage fast schon mit »Ja« zu beantworten, aber es wäre töricht, daraus selbst eine Angst zu entwickeln. Vielmehr sind wir dazu aufgerufen, eine Gegenmeinung zu bilden und Aufklärung zu betreiben. Es ist sicher ein schwerer Kampf, aber wenn wir den Kampf nicht annehmen, haben wir schon verloren. Es gilt Vorurteile abzubauen und zu versuchen, Mitmenschen zu erreichen. Nur so können wir gemeinsam dem Diktat der Angst entkommen, um längst verloren geglaubte Freiheiten wieder zurückzugewinnen.</p>
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